Die ersten 15 Jahre

Die ersten Grundlagen waren durch die AWO-Ortsvereine gelegt worden, weitere Kinder- und Jugendgruppen kamen hinzu. In der ersten Hälfte der 80er Jahre suchten Gruppen von Jugendlichen in ganz Essen Räume. Zahlreiche große und kleine Initiativen bildeten sich und mehrere Jugendhäuser entstanden. Das AWO-Jugendwerk nahm sich mehrerer kleiner Gruppen an, unterstützte sie bei ihrer Suche nach Treff-Möglichkeiten und organisierte –wo immer möglich- eigene Jugendclubs. Die Teestube Werden, die Jugendclubs Altendorf, Überruhr I , Essen-Ost, Altenessen, Margarethenhöhe und Katernberg entstanden, weitere Jugendgruppen nutzten AWO-eigene Räume (Überruhr , Kray, Frohnhausen, Dellwig). Zeitweise engagierten sich bis zu 600 Jugendliche im Verband. Die aufkommende Video-Begeisterung wurde ausgiebig ausgelebt, die neue Spielewelle intensiv begleitet, Wochenendfahrten und –seminare organisiert, Stadtteilprojekte angegangen und Feste gefeiert. Bildungsangebote in Form von Kursen (Foto , Sprachen, usw.) und Seminaren nahmen einen breiten Raum ein. Die Altendorfer Gruppe baute eine Partnerschaft mit dem AWO-Jugendwerk in Berlin-Tiergarten auf. Gemeinsame Seminare und regelmäßige gegenseitige Besuche waren die Folge.

Daneben trafen sich Kindergruppen, in denen das Erleben der Stadt, Spiel und Spaß, demokratisches und soziales Lernen und Gemeinsamkeit mit anderen im Vordergrund standen.

Parallel hierzu gab es erstmals 1980 eine eigene Ferienfreizeit für junge Erwachsene, einige Jahre später gab es ein regelmässiges Ferienangebot für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, was folgerichtig 1992 dazu führte, daß die AWO die gesamte Organisation ihres traditionellen Kinderferienwerkes mit dem Jugendwerk in Kooperation durchführte. Schwerpunkt der Jugendfreizeiten waren internationale Begegnungen ( Grenoble, Sunderland, Avignon) . Allein 20 deutsch-französischen Begegnungen, Freizeiten und Seminare fanden zwischen 1983 und 1993 statt. Die ehrenamtlichen Kinder- und Jugendgruppenleitungen engagierten sich in den Ferienfreizeiten und prägten das damit das Profil des Jugendverbandes.

Aus der ehrenamtlichen Arbeit entwickelten sich Projekte.
Die Bootsbaugruppe erwarb ein altes Zollboot, renovierte es in monatelanger Freizeit-Arbeit und führte Wochenenden auf der Ruhr durch. Die „Robin Hoods“ engagierten sich in 6 Jugendgruppen für ältere Menschen in Alten-und Pflegeheimen (Besuche + Gespräche, gemeinsame Ausflüge + Veranstaltungen, Vorlesen+Kino). Mit der Computer-Begeisterung in den 80ern entstanden 2 Computerclubs für Jugendliche. Atari, C 64 und andere Vorläufer der heutigen PC`s und Spielekonsolen liessen sich untereinander vernetzen, programmieren und in grösseren Kreisen für Grafik- und Spielewochenenden nutzen. Höhepunkt war die erste Computermesse im Jugendzentrum Papestr., die gemeinsam mit dem Jugendamt veranstaltet wurde. Die Mediengruppe in Altenessen beschäftigte sich einige Jahre lang mit der Filmherstellung. Eine Gruppe von jungen Erwachsenen brachte Ende der 80er Jahre regelmässig eine Verbandszeitung heraus, die mit mehr oder weniger Erfolg selbst gestaltet wurde. In Stoppenberg organisierten wir mehrere Jahre eine Kinder-Spielstube neben dem Sozialamt.

Durch den Kontakt zu verschiedenen Jugendzentrumsinitiativen entwickelte sich die Trägerschaft des Jugendzentrums Schonnebeck. Die ehemalige renovierungsbedürftige Schule wurde zum Jugendzentrum mit offenem Angebot für Kinder, Jugendliche und Eltern-Kind-Gruppen umgebaut. Aus der Zusammenarbeit mit der nahegelegenen Gustav-Heinemann-Gesamtschule entwickelte sich ein selbstverwaltetes Schülercafe und gemeinsame Veranstaltungen. Aufgrund der positiven Zusammenarbeit in Schonnebeck entwickelte sich ein weiteres Jugendhaus in Kupferdreh.

Mit der Einrichtung der AWO-Bürgerhäuser in Kray und Dellwig (Anfang der 80er Jahre) boten sich Möglichkeiten zu weiteren Aktivitäten. Grössere zentrale Veranstaltungen , ein Arbeitslosentreff, Ferienprogramme , Schularbeitenhilfen oder Kinderfilmwochen wurden in beiden Häusern angeboten. Berwerbungstrainings wurden ebenso angeboten wie Einführungskurse in die ersten Computer oder Berufsperspektiven in Gesprächskreisen diskutiert.

Begleitet wurden die ersten 10 Jahre durch grosse Veranstaltungen.

  • Die Bundeskonferenz des AWO-Jugendwerks 1986,
  • das Bundesjugendwerkstreffen 1987 mit 6 Spielmobilen und
  • mehrere Bezirkskonferenzen wurden in Essen organisiert

und sorgten für einen regen bundesweiten Austausch mit anderen Gruppen. Zusätzlich beteiligten sich mehrere Gruppen an Veranstaltungen der Essener AWO (Parkhaus-Fete, die längste Kaffeetafel, türkischer Tag des Kindes, usw.)

Durch die gute Zusammenarbeit mit den anderen Essener Jugendverbänden und dem Jugendamt entwickelten sich punktuelle Kooperationen und politische Einflussmöglichkeiten. Mit den Jugendverbänden, die sich als Teil der Arbeiterbewegung verstehen, wurden im sogenannten Arbeiterjugendring Veranstaltungen zu politischen Themen (Rock gegen Rechts) und Stellungnahmen verabschiedet (Friedensbewegung).

In der Wende-Zeit half das AWO-Jugendwerk beim Aufbau von AWO-Strukturen in den neuen Bundesländern, beriet bei der Organisation von Ferienfreizeiten oder der Trägerschaft von Jugendhäusern.

Diese sprunghafte Entwicklung wäre kaum möglich gewesen, wenn es nicht zahlreiche junge Erwachsene gegeben hätte, die viel Freizeit mit und im Verband geopfert haben. 6 Vorsitzende, zahlreiche Vorstandsmitglieder, Ferienfreizeitmitarbeiter, Gruppenleiterinnen und Kassenprüfer - über 300 Ehrenamtliche waren in den 80er Jahren regelmässig aktiv. Hinzu kamen diejenigen, die sich punktuell bei Veranstaltungen zur Verfügung stellten. Ohne dieses grosse ehrenamtliche Engagement hätte es die vielfältigen Projekte, Initiativen und Einrichtungen nicht gegeben.

40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren in den ersten 10 Jahren mit befristeten Arbeits-verträgen ( ABM , Ausbildung statt Sozialhilfe + Arbeit statt Sozialhilfe ) beim AWO-Jugendwerk beschäftigt, Zivis kamen hinzu. Einige von ihnen sind anschliessend ehrenamtlich dabei geblieben. Manches Sommerfest und manche Veranstaltungs-Abrechnung wäre ohne sie nicht möglich gewesen.

Nicht jede Initiative hat gehalten, manche Aktivität fiel den Sparzwängen zum Opfer, die Kindergruppen lössten sich nach und nach auf und die Kontakte zwischen den jeweiligen Gruppen des Jugendwerks und den Ortsvereinen der AWO waren zu gering; man hatte zuwenig Gemeinsamkeiten. Dennoch wurden in den ersten 10 Jahren Grundsteine für eine aktive Kinder- und Jugendarbeit beim AWO-Jugendwerk gelegt. Für viele Mitglieder, Teilnehmer/innen, Besucher/innen und Mitarbeiter/innen blieben wurde der Verband ein kleines Stück Heimat und Fundament des weiteren Lebensweges.

Hans Aring
Referatsleiter des Kreisverbandes der AWO Essen