Kinder- und Jugendarmut ist ein gesellschaftliches Problem, welches für viele junge Menschen oft bitterer Alltag ist. Sie haben kein Geld für die Teilnahme an Klassenfahrten oder Freizeitprogrammen, sind häufiger krank, haben kaum Bewegungsmöglichkeiten, mangelnde Sprachfähigkeiten und schlechtere Bildungschancen - denn Armut wirkt sich auf alle Dimensionen des Lebens aus.

Seit Jahre erleben wir in den Medien und der Öffentlichkeit, dass vielfach auf das Thema Kinderarmut hingewiesen wird. Jedoch vermisst man oft entsprechende Handlungskonzepte, um der Situation zu begegnen. Dabei besteht ein hohes Risiko, dass Kinder- und Jugendarmut zu einem biographischen Faktor wird, der die Kinder ein Leben lang begleitet und somit auch für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft verheerende Folgen haben kann.

Der aktuelle Kinderbericht der Stadt Essen zeigt, wie brisant und aktuell das Thema in unserer Stadt ist. In Essen ist jedes 3. Kind von Armut betroffen. Zudem ist Armut eine Frage des geographischen Wohnsitzes. Die Verteilung auf die Stadtbezirke variieren zwischen 7 % und 46%. Schaut man auf die Stadtteilebene so muss man feststellen, dass in einzelnen Stadtteilen bis zu 2/3 aller Kinder von Armut betroffen sind! Ein besonderes Armutsrisiko liegt bei jungen Menschen aus Familien mit mehreren Kindern, Kinder von Alleinerziehenden und Kinder, aus Familien mit Migrationshintergrund.

In Essen bemühen sich viele Institutionen um die Bekämpfung von Kinderarmut. Es gibt jedoch kein gesamtstädtisch abgestimmtes und vernetztes Handeln um den vielfältigen Problemen gezielt entgegenzutreten.

Armut als Lebenslage darf nicht auf die rein ökonomische Sichtweise beschränkt werden, sondern muss im umfassenden Sinne als Unterversorgung und Benachteiligung begreifen werden. Dabei wird Armut nicht als „absolute" Armut im Sinne des Fehlens von Überlebensnotwendigem, sondern als „relative Armut", die sich an dem gesellschaftlich „Normalen" orientiert, begriffen. Ein solches Armutsverständnis leitet sich vom sozialstaatlichen Prinzip der Gewährung von gleichen Lebenschancen ab.

Vor diesem Hintergrund setzt sich das Kreisjugendwerk Essen für ein gesamtstädtisches Konzept zur Bekämpfung von Kinder-und Jugendarmut. Das Ziel dieses Konzeptes muss es sein, Armut nachhaltig entgegenzuwirken, denn die Besonderheit der Armut von Kindern und Jugendlichen liegt darin begründet, dass die Folgen schwerer und die jungen Menschen in der Bewältigung der Situation „hilfloser" sind. Dabei gilt es Ressourcen und Fachkompetenzen zu bündeln und gemeinsam Strategien und Lösungsansätze zur Bekämpfung der Kinder- und Jugendarmut in Essen zu entwickeln.

Das Kreisjugendwerk Essen befasst sich im Rahmen innerverbandlicher und jugendpolitischer Interessenvertretung schon lange mit dem Thema Kinderarmut.