Ablauf eines Jugendforums

Kernstück des ganzen Prozesses ist das Jugendforum - eine Ideenschmiede, in der Jugendliche in thematisch orientierten Gruppen eigene Veränderungswünsche und Projekte für ihren Stadtteil entwickeln und an die Umsetzung gehen. Doch damit die jungen Menschen überhaupt von einem Jugendforum erfahren und dort hingehen, braucht es im Vorfeld eine Aktivierungsphase. Und damit am Ende auch ein paar Projekte realisiert werden können, braucht es im Nachgang eines Jugendforums eine Umsetzungsphase.

Aktivierungsphase

Den Anfang der Aktivierung bildet die Suche interessierter Demokratie-Scouts und deren Ausbildung. (1)
Gemeinsam mit der Projektleitung und ein paar erfahrenen D-Scouts startet man eine monatelange Vorbereitungs-, Aktions- und Werbephase, bei dem die Ansprache von Multiplikator*innen und Akteur*innen im Bezirk die Hauptrolle spielt. (2)
Sie arbeiten mit Jugendlichen zusammen und bringen ihnen diese Möglichkeit, sich im Stadtteil zu beteiligen, nahe - hier erweisen sich die über Jahre gewachsenen Kooperationsbeziehungen als echtes Pfund. Etwa einen Monat vor der Veranstaltung geht es in die heiße Phase: An Schulen, in Jugendeinrichtungen und auf öffentlichen Plätzen werden mit Beteiligungsaktionen direkt Jugendliche im Bezirk angesprochen. Neben der direkten Ansprache werden klassische Flyer, Plakaten, Filme und soziale Medien genutzt. (3)

Durchführung eines Jugendforums

Jedes Jugendforum ist eine Großveranstaltung, die den Einsatz von gut dreißig Menschen erfordert: Auf- und Abbau, jugendaffine Dekoration und moderationsfreundliche Ausstattung, gastronomische Versorgung, Rahmenprogramm, Moderation, Gruppenarbeit. Immerhin kamen zu den vier Jugendforen, die bislang durchgeführt wurden, an die 600 Menschen. Um die Ideenschmiede herum wird bewusst experimentiert: Mal als Tagesveranstaltung am Wochenende, mal als vierstündige Veranstaltung am Freitag, mal mit einem aufwändigen Rahmenprogramm, live-Acts und Abschluss-Party, mal als schlank gehaltene Zukunftswerkstatt. (4)

Bei der Ideenschmiede sind nur die jungen Menschen, die D-Scouts sowie zusätzliche pädagogische Kräfte bzw. Moderator*innen zugegen. Eingangs herrscht bei den Jugendlichen eine Mischung aus Skepsis, positiver Erwartung und Zurückhaltung, die bald von Konzentration, Engagement und einem leicht euphorischen Brodeln abgelöst wird, sobald die ersten Ideen entstehen. Am Ende bilden sich um die Ideen herum feste Projektgruppen, die einen verbindlichen ersten Termin für ein Gruppentreffen ausmachen. Jede Projektgruppe bekommt einen Demokratie-Scout zur Seite gestellt und startet damit in die nächste Phase. (5)

Projektgruppen

Die Begleitung der Projektgruppen bildet den Schwerpunkt der Umsetzungsphase.
Die Projektgruppen sind sehr unterschiedlich: Die Themen sind vielfältig umfassen Sport, Umwelt und Nachhaltigkeit, Kultur, Politik in Schule und Gesellschaft sowie generell das Anliegen, die Stadtteile ihren Bedürfnissen gemäß zu gestalten und sich eigene Freiräume zu schaffen. Die Gruppengröße reicht von zwei bis zwanzig Teilnehmenden, das Alter von zehn bis 27 Jahren und auch die Dauer der Projektgruppen schwankt stark: Manche Vorhaben wie Renovierungsaktionen oder die Verbesserung eines Tonstudios können in ein paar Monaten umgesetzt werden, manche Vorhaben wie die Abschaffung des Duldungsstatus, die Parkour-Anlage auf Zollverein oder eine umfangreiche Schulhofumgestaltung dauern Jahre.

Alle Projektgruppen treten in einen Prozess, indem es darum geht, gemeinsam herauszufinden, wie Demokratie funktioniert und was erreicht werden kann. In diesem Prozess lernen und entwickeln die jungen Menschen einen hohen Grad an Verbindlichkeit, Überzeugungskraft, Vertrauen in sich selbst und die Gruppe, Kreativität, Kompromissbereitschaft, Energie und Durchhaltevermögen. (5)

Präsentation vor der Bezirksvertretung

Auf dem Weg zur Umsetzung bildet die Präsentation der Projektgruppen vor der Bezirksvertretung einen wichtigen Meilenstein. (6)
Die Bezirksvertretung VI ist das demokratisch gewählte Entscheidungsgremium auf Ebene der Stadtbezirke. Ohne ihr Interesse an der Beteiligung Jugendlicher und ohne ihre finanzielle Unterstützung gäbe es das Jugendforum in seiner jetzigen Form nicht. Dieses Interesse zeigt sich, wenn die Jugendlichen sich und ihre Themen vorstellen, unterstützt durch die D-Scouts und selbst angefertigte Plakate, Modelle oder PowerPoints.

Spürbar ist die Wertschätzung, die den Jugendlichen entgegengebracht wird. Spürbar ist, dass man sich gemeinsam bemüht, einen Weg zu finden. In der Regel stehen am Ende konkrete Hinweise und Unterstützungs­angebote für die nächsten Schritte zur Umsetzung. Dabei nimmt die Bezirksvertretung Mängel und Anregungen direkt auf und bearbeitet sie weiter oder fördert ein Projekt aus dem eigenen Budget. Manchmal fungiert sie als Türöffner, manchmal verweist sie an zuständige Stellen, gibt wichtige Hinweise oder unterstützt Förderanträge. (7)

Umsetzung der Projekte

Nach der Präsentation haben die meisten Projektgruppen noch einiges zu tun, damit am Ende die Umsetzung eines Projektes gelingt. (8)
Auch hier hängt die Umsetzung stark von dem Vorhaben, der Gruppengröße und dem Engagement ab. Manchmal sind die Ziele zu hoch gesteckt oder es findet sich trotz großem Bemühen kein Weg zur Umsetzung, was zuweilen an Zuständigkeiten oder Eigentumsverhältnissen liegt. Manchmal geht den jungen Menschen die Puste aus, wenn die Entscheidungswege zu lange dauern, manchmal stimmt die Chemie nicht oder die Gruppe findet nicht richtig zueinander. Bei zu kleinen Gruppen führt der Ausfall von ein oder zwei engagierten Jugendlichen dazu, dass die Projektgruppe auseinander bricht.

Oft genug aber kommen die Jugendlichen an ihr Ziel und schaffen das, was sie sich vorgenommen haben. Und den Weg dort hin haben sie gemeinsam geschafft - mit Unterstützung der Demokratie-Scouts, dem Jugendforum Zollverein und vielen weiteren Unterstützern und Mitstreiterinnen. Jedes einzelne Projekt zeigt, dass sich der Weg lohnt. Und zwanzig realisierte Projekte seit 2014 zeigen, dass sich der Weg oft lohnt.